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Blogger auf der Frankfurter Buchmesse willkommen

Wibke Ladwig ich bin hier

„Ich bin hier!“ heißt es auf wirsindhierinfrankfurt.de, einer neuen Website der Frankfurter Buchmesse. „Verleger, Buchhändler, Journalisten, Gamer, Blogger, Designer, Buch-Liebhaber – hier treffen sich alle, die sich treffen wollen. Jetzt Gesicht zeigen und netzwerken!“ Fünfhundert Menschen sind der Einladung bereits gefolgt und haben ihre persönliche Erwartung an die Buchmesse, ihr Foto, ihre Schlagworte und ihre Accounts bei Twitter oder Facebook eingetragen. Für diese Vernetzungsaktion gibt es auch einen Hashtag: #ichbinhier.

Die Buchbranche gilt in der allgemeinen Wahrnehmung nicht gerade als eine Branche, die Veränderungen und Neues mit offenen Armen begrüßt. Die Digitalisierung und ein verändertes Konsumentenverhalten machen den Verlagen und Buchhandlungen zu schaffen, während Selfpublishing einerseits das Selbstverständnis von Verlagsautoren ins Wanken bringt und andere wiederum auf Ruhm abseits des Urteils von Verlagen hoffen lässt. Wer näher hinsieht, entdeckt jedoch mutige und entschlossene Menschen, die Startups gründen, Visionen entwickeln, sich selbstbewusst und mit Hingabe dem Büchermachen und Geschichten erzählen widmen, mit neuen Geschäftsmodellen experimentieren, und sich neugierig, über Branchengrenzen hinweg, umtun.

Alte Welt und #Neuland treffen aufeinander

Auf der Frankfurter Buchmesse treffen sich alle zum Weltfest der Büchermenschen: die unabhängigen und die Konzernverlage, die Kinderbuchverlage und die Fachverlage, die Comic-Verlage und die Zeitungsverlage, Literatur und Glückwunschkarten, die Buchhändler und die Amazonisten, die Antiquare und die Digitalisierungstreiber, die Autoren und die Leser, die Dienstleister und die Vertriebspartner oder die Bibliotheken und die Bildungsanbieter.

Aber natürlich treffen auch Alte Welt und #Neuland aufeinander, wobei die Alte Welt das Internet immer noch beharrlich ignorieren oder verteufeln, während die Abgesandten aus #Neuland das Internet bereits selbstverständlich bewohnen. Während Villariba schon feiert, wird in Villabajo noch geschrubbt …

Die Frankfurter Buchmesse schafft es sehr gut, diese Welten miteinander zu vereinen. Eine App erleichtert die Tage auf der Messe. Neben Ausstellerkatalog, Hallenplan und Veranstaltungskalender ist auch Social Media integriert: über den Hashtag #fbm13 werden Tweets kuratiert und das Social Media-Team @book_fair kann bei Fragen rasch kontaktiert werden. Der Hashtag #fbm13 wird in diesem Jahr erstmals auch über alle Printmedien und die Eintrittskarten kommuniziert.

Unkomplizierter Zugang für Blogger

Bezeichnend ist, dass Blogger und Journalisten gleichberechtigt behandelt werden. Während es bei anderen Messen und Großveranstaltungen mühsam bis unmöglich ist, als Blogger Zugang zu erhalten, ist die Akkreditierung für Blogger bei der Buchmesse sehr unkompliziert. Das Social Media-Team der Frankfurter Buchmesse prüft die Blogs und das Ticket lässt sich nach Freischaltung online abrufen. Durch die gute Vernetzung über das ganze Jahr hindurch sind dem Team viele der Blogger ohnehin bekannt, was das Verfahren beschleunigt.

Akkreditierte Blogger haben Zugang zum Pressebereich – und damit zu Steckdosen und Internet. Das Messe-WLAN ist meist überlastet, und ein ruhiges Plätzchen zum Schreiben ist oft nur in den Hallen mit den Fachverlagen zu finden. Und ein Ziel der Buchmesse ist bei diesem Vorgehen, dass im Internet viel über diese Veranstaltung geschrieben wird.

Öffentlichkeit im Internet

Selbstverständlich ist es nicht, dass ein Veranstalter erkennt, dass der Widerhall im Internet für die eigene Reputation und Sichtbarkeit von Bedeutung ist. Die Frankfurter Buchmesse baut seit einigen Jahren ihre eigenen Aktivitäten aus. Frank Krings, Social Media Manager der Frankfurter Buchmesse, ist selbst Blogger und Teil der Community der twitternden und bloggenden Büchermenschen. Social Media ist in die Kommunikationsabteilung integriert und das Blog der Frankfurter Buchmesse über das ganze Jahr hinweg ein wesentlicher Bestandteil der Kommunikation.

Wie bereits in den vergangenen Jahren schreiben auch deutsche und internationale Gastblogger zu Themenschwerpunkten, etwa über Startups oder den Ehrengast. Zusammen mit dem Foodblog Dinner um Acht läuft das Blog-Event #cookitwithsamba mit Preisverleihung auf der Buchmesse. Über den Youtube-Kanal der Buchmesse werden Vorträge und Videoschnipsel veröffentlicht.

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Die Buchmesse als Gastgeber und Kurator

Geschickt greift die Frankfurter Buchmesse in ihrem Selbstverständnis als Gastgeber auch die Möglichkeiten zur Vernetzung von Online und Offline vor Ort. Beim „Wir sind hier“-Frühstück auf der Open Stage werden Tische mit den häufigsten Schlagworten der Website wirsindhierinfrankfurt.de markiert und bieten den Fachbesuchern von Mittwoch bis Freitag die Möglichkeit, über diese Tags unkompliziert ins Gespräch zu kommen. Es gibt ein „Offenes Mikro“, über das sich Startups selbst vorstellen können.

Frank Krings kuratiert außerdem Instagram-Schnappschüsse in einem Tumblr: lookblogfrankfurt.tumblr.com. Er selbst meint auf meine Frage via Facebook-Nachricht zu Social Media auf der Frankfurter Buchmesse: „Ich will das Thema Social Media als Veranstalter auch nicht überladen, sondern lieber das Sharen und Supporten, was die Leute selbst machen. Will da nicht zuviel vorgeben.“

Dazu gehört auch, dass die Frankfurter Buchmesse Aktivitäten von anderen unterstützt. Der Virenschleuder- Preis, der für „ansteckendes Marketing“ verliehen wird, ist eine Kooperation von Blogger Leander Wattig und der Buchmesse und wird am Buchmesse-Donnerstag verliehen. Das wird eine der Veranstaltungen, bei der sich wieder viele in die Arme fallen werden, die den Rest des Jahres vor allem digital miteinander verbunden sind und sich vielleicht zum ersten Mal jenseits des Bildschirms treffen.

Blogger Relations leicht gemacht

Insgesamt wird deutlich, dass es für einen Messeveranstalter wenig bedarf, um Bloggern gute Arbeitsbedingungen zu liefern. Im Gegenzug profitiert der Veranstalter von der Öffentlichkeit im Internet. Der Aufbau von Blogger Relations wird durch die Akkreditierung (und die damit erhaltenen Daten) erleichtert und kann bereits vor Ort bei verschiedenen Gelegenheiten vertieft werden. Was nötig ist, ist eine Integration von Social Media in die Kommunikation, was immer noch nicht selbstverständlich ist. Und es braucht Mitarbeiter, die Social Media nicht „nebenbei“ betreiben, sondern die Zeit und die Freiheit haben, Social Media zu leben, sich zu vernetzen, Ideen von außen aufzugreifen und eigene Ideen umzusetzen.

Die Frankfurter Buchmesse findet vom 9. bis zum 13. Oktober 2013 statt.

>> Website der Frankfurter Buchmesse
>> Akkreditierung für Blogger und Journalisten
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>> Dinner um Acht: #cookitwithsamba
>> Tumblr Lookblog 2013
>> Virenschleuderpreis

Transparenz: Wibke Ladwig war im Frühjahr 2013 für die Frankfurter Buchmesse als freie Mitarbeiterin tätig.