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Wahlkampfanalyse: Wird die Wahl doch noch online entschieden?

Während wir in den vergangenen Wochen eher einen trägen Wahlkampf erlebten, in dem Themen gespielt wurden, die aber niemanden so recht berührten, kommt gut 4 Wochen vor der Wahl Bewegung in den Wahlkampf. Auch online.

Die Entwicklung auf Facebook & Twitter

Nehmen wir die Zuwächse an Facebookfans, so scheinen sich auch immer mehr Menschen für den Onlinewahlkampf zu interesseren.

Insgesamt gewannen die Parteien in den letzten 14 Tagen 12.224 Facebookfans dazu. Auffällig ist dabei der Fanzuwachs bei der Partei Die Linke mit 24,1 Prozent, was uns kurz stuzig machte. Nach unseren Recherchen handelt es sich dabei hauptsächlich um Fans aus Deutschland, was ein Indiz für die Echtheit ist. Aber auch CDU und SPD konnten offenbar Interesse für ihren Auftritt auf Facebook hervorrufen.

Dabei ist nicht nur eine Steigerung der Fanzahlen, sondern auch der Interaktion festzustellen. Waren bei der CDU vor 14 Tagen noch 2.859 “Personen, die darüber sprechen” angegeben, so sind es aktuell 10.558 Personen. Auch bei der SPD stieg der Wert von 5.905 auf 9.563.

Deutlich wird auch, dass das Interesse auf Facebook vier Wochen vor der Wahl nicht unbedingt von der strategischen Performance beeinflusst wird. Hier sind nach unserem Empfinden die Grünen noch am professionellsten unterwegs: Die Grünen vs. FDP – Wie machen sich die kleinen Parteien auf Facebook?

Ähnlich sieht es bei den Seiten der Kanzlerkanidaten aus. Hier hat Peer Steinbrück einen unaufholbaren Rückstand. Und genauso hoch, wie die Fanzahlen bei Angela Merkel sind, so hoch ist auch der Abstand bei den Zuwächsen in den letzten 14 Tagen. Hier kommen ihr der Kanzlerinnenbonus, Bekanntheitsgrad und nicht zuletzt die potenzierende Reichweite zu Gute.

Dabei unterscheidet sich die Entwicklung auf Twitter kaum, wobei @spdde mit 37.715 Followern vor @cdu_news mit 30.902 Fans liegt. Die beiden großen Parteien geben sich hier also wenig. @Die_Gruenen und die @Piratenpartei sind mit 6.2848 Followern und mit 117.475 Followern hier weit voraus.

Keine gesonderte Social-Media-Strategie

In der Art der Social-Media-Inhalte sind kaum Veränderungen zu erkennen. Zwar starten die Spitzenpolitiker ihre klassischen Wahlkampftouren, welche auch auf den Facebookseiten begleitet werden, eine gesonderte Social-Media-Strategie, welche auf den optimalen Nutzen setzt, ist vier Wochen vor der Wahl nicht zu erkennen. Auch die vereinzelten Crowdsourcing-Projekte der Parteien werden nur halbherzig gespielt, wobei diese auch eher die eigenen Wahlkämpfer ansprechen.

Berichterstattung der Onlinemedien

Während Merkel sich in der Berichterstattung der größten deutschen Online-Nachrichtenportale* bei unserer Analyse vor zwei Wochen noch deutlich von Peer Steinbrück absetzen konnte, bekommt dieser in den letzten 14 Tagen immer mehr Beachtung. Dabei findet sich der Begriff “Steinbrück” auf Rang 10 der Erwähnungen wieder, während sich Merkel lediglich auf Rang 16 wiederfindet.

Top10-Begriffe:

euro, bahn, polizei, mursi, kairo, nsa, bayern, ägypten, obama, steinbrück

Die CDU wird auf Platz 16 gelistet. Die FDP auf Platz 24. Die SPD findet unter den Top 40-Begriffen nicht statt. Vier Wochen vor der Wahl scheint Steinbrück in der redaktionellen Berichterstattung an Boden gut zu machen. Es bleibt abzuwarten, ob sich dieser Trend auch nachgelagert in den Umfragewerten wiederspiegeln wird. Derzeit setzt sich Merkel bei den allgemeinen Beliebtheitswerten weiter ab.

Worüber sich die Nutzer unterhalten

Anders sieht es in den Nutzerdiskussionen auf den entsprechenden Portalen aus. Hier führt die SPD, gefolgt von Merkel, die Platz 2 verteidigt. Steinbrück findet sich bei den Erwähnungen auf zehn wieder und macht damit 26 Plätze im 14-Tages-Vergleich gut. Die CDU auf 14 wieder.

Top10-Begriffe:

spd, merkel, deutschland, usa, wahl, politiker, menschen, bild, partei, steinbrück

Aber was sagt uns das Ergebnis?

Die Hypothese: Die CDU fällt. Die SPD steigt.

Fakt ist: So stümperhaft sich Peer Steinbrück und seine Partei in den letzten Monaten verkauft haben, so sehr gewinnen sie derzeit an Wahrnehmung. Sie Frage ist: Wie gut ist das Monitoring der CDU? Erkennt sie den Trend? Ist die steigende Präsenz des Mitbewerbers einkalkuliert? Wie reagiert die CDU? Oder bleibt sie bei der Strategie “Alles auf Merkel”?

Stand jetzt ließen sich folgende Thesen aufstellen, die es in den nächsten Wochen zu beobachten gilt:

  • Die SPD gewinnt in den Prognosen dazu. Die CDU verliert an Boden.
  • Für Schwarz-Gelb wird die Fortführung der Koalition unwahrscheinlicher.
  • Die Machtfrage spitzt sich auf Rot-Grün oder große Koalition zu

Fakt ist auch: Die CDU hat mehrfach Erfahrungen mit sinkenden Umfragewerten in den letzten Wahlkampfwochen und verlorenen Wahlen gemacht. Seit 1990 hat die CDU/CSU in den letzten vier Wochen der bis zur Wahl immer an Prozentpunkten verloren – 2005 sogar 6,8 Prozent. 2009 verlor die CDU in den letzten vier Wochen 1,2 Prozent. (Quelle: Infratest dimap)

Dann würde feststehen: Die Wahl wird auch online entschieden. Wahlverläufe lassen sich offenbar online nachvollziehen. Onlineberichterstattung führt mit Verzögerung zu positiven Umfragewerten. Und gutes Monitoring lässt den Einfluss von Berichterstattung auf anschließend folgende Umfragewerte erkennen. Zumindest nach der Formel:

Hohe Präsenz = Positive Umfragewerte = Positiver Wahlausgang

Sollten User und Onlineberichterstattung also ein Indikator für die kommenden Wochen sein?

Derzeit findet sich die CDU laut Sonntagsumfrage (15.08.2013) bei 42 Prozent, die SPD bei 25 Prozent.

Beruhigend: Es scheint doch noch spannend zu werden. Die Wahlkämpfer haben noch viel zu tun.

(*bild.de, faz.net, spiegel.de, sueddeutsche.de, welt.de und zeit.de)

Bildquellen:

black percent symbol with an arrow down. 3d illustration, Marynchenko Oleksandr, Shutterstock