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Gesünder Karriere machen

‚Survival of the fittest’ ist ein heute immer noch geltendes Prinzip. Was allerdings versteht sich gerade im Berufsleben unter diesem „Stark sein“?

Im Online-Magazin für Wirtschaftsethik und Karriere „Karriere-Einsichten.de“, informiert Journalist, Unternehmensberater und Theologe Jan Thomas Otte, karriere-orientiere Leser darüber, wie gerade psychologische Aspekte und Werte des menschlichen Miteinanders wesentlich an wirtschaftlicher Entwicklung beteiligt sein können.

Ist ein gesundes Selbstbewusstsein der Schlüssel zu einer erfolgreichen Karriere?

„Mit sich selbst einverstanden zu sein, ist sicherlich eine gute Basis. Denn das gibt uns über die Orientierung an den eigenen Karrierezielen hinaus oft auch die Möglichkeit, uns in andere hineinzuversetzen. Also eher miteinander als gegeneinander zu arbeiten.“

Welchen Umweltbedingungen stehen Karrierebewusste heute gegenüber?

„Sie finden sich vielerorts in einen System wieder, was zu Ellenbogenmentalität verleitet. Oft auf Kosten derjenigen Menschen ohne diese Mentalität. Diese fallen dort einfach raus.

Und selbst für Menschen, die sich derart durchsetzen können, heißt es ständig ‚up or out’ – immer besser werden, ‚performen’, oder eben auch raus fallen.

Dass diese Mentalität fest in den Köpfen vieler Arbeitsnehmer als Erfolgsrezept verankert ist, zeigen aktuelle Studien.

Ethische Werte werden hier als nicht wichtig eingestuft. Die Wettbewerbs- und Leistungsorientierung hingegen führt die Parade an.“

Machen sich Berufsaufsteiger diesen Druck denn nicht selbst?

„Die Regale sind voll von Ratgebern, die einem sagen, wie man seine Schwächen ausbessern kann. Wer sich allerdings darauf konzentriert, seine Schwächen zu bekämpfen, kann seine Stärken nicht ausspielen.

Top gebildete, top motivierte, gut aussehende, häufig auch sozial engagierte ‚High Potentials’ sind dadurch häufig verunsichert, selbst wenn sie das auf Nachfrage niemals öffentlich zugeben würden.

Ex-McKinsey-Chef Jürgen Kluge sprach in diesem Zusammenhang einmal von ‘insecure overachievers’.

Statt sich verunsichern zu lassen, sollte man versuchen, die eigenen Stärken zu stärken und Schwächen anzunehmen.”

Auf was sollte man als High Performer dann achten?

„Ein derartiges Leistungssystem macht unter Umständen zum Einzelgänger. Das soziale Umfeld dünnt sich aus, die Freizeitgestaltung ist nicht existent.

So kann man sich enorm emotional und finanziell von seinem Beruf abhängig machen.

Und wenn man diesen dann einmal verliert, verliert man eventuell alles. Und wer konstant zu sehr powert, riskiert ein Burn Out mit Mitte 30. Deshalb ist es wichtig, Freundschaften und Hobbys zu pflegen – also quasi auch auf anderem Wege in sich selbst zu investieren.“

Wie kann man diese Balance hinbekommen?

„Es kommt ganz darauf an, woraus man sein Selbstwertgefühl zieht. Wer mit sich selbst im Reinen ist und dauerhaft glücklich bei seiner Arbeit, kann sicherlich auch länger volle Power geben.

Wer außerdem weiß, dass er außerhalb der Arbeit noch ein Netzwerk aus Familie und Freunden hat – sprich etwas anderes, was ihm Selbstwertgefühl und Halt bietet – kann Druck gelassener Stand halten.

Wer allerdings persönliche Werte wie Loyalität, Empathie, Hilfsbereitschaft oder Ehrlichkeit dauerhaft wegschiebt, wird irgendwann krank.

Was sehen Sie konkret als Möglichkeit, ‚gesünder’ Karriere zu machen?

„Vielleicht sollte man einfach statt der sprichwörtlichen Karriereleiter lieber die Treppe nehmen. Man kann mit anderen KollegenInnen auch mal nebeneinander laufen – und wo man sich verlaufen hat bzw. aus der Puste kommt mal Pause machen. Und dann wo anders hinlaufen.“

Danke für das Interview!

Was ist Ihr Ansatz zur sogenannten Work-Life-Balance?

Bildquelle: Image courtesy of Idea go/ FreeDigitalPhotos.net

  • Gast

    Schade, denn wieder einmal wird das Zitat falsch wiedergegeben. Es geht nicht um Stärke, sondern um Anpassungsfähigkeit…

  • Den jungen Menschen ist nicht mehr die Leiter wichtig, da sie nicht befehlen wollen. Ihnen ist das Schaffen von Interessantem viel wichtiger. Und da entwickeln sich die wirklichen Experten, denen am Ende die Manager dann zu dienen haben. Die Befehlspyramiden ist am Kippen?
    Ist eine Transformation unserer Managementmethoden durch das Web zwingend notwendig geworden?

  • Email

    Welches Zitat denn, „Gast“ – und wer sollte sich wem anpassen?

  • Auch gutes Zitat: Treppe wird immer von oben nach unten gewischt, sollte man zumindest wenn sie schön und sauber sein soll 😉