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Morgenwelt 90: Eine Social Media Lehrstunde …

Morgenwelt90_Teacher_shutterstock Die letzte Woche war wieder einmal eine Lehrstunde in Sachen "Der richtige Umgang mit Social Media". Der eine schießt sich mit "gefälschtem" Lob ins Abseits, dem anderen wird ein Tweet zum Verhängnis. Da ging der Deutschland-Start von Facebooks "Places" fast ein bisschen unter. Warum das aber eigentlich nicht so schlimm ist und wie Sie Ihren Hund zukünftig zum Twittern bringen, lesen Sie in der heutigen Morgenwelt.

WeDepp: Eigenlob stinkt, gefälschtes Lob stinkt noch viel mehr. Aber machen wir uns nichts vor, letztendlich wissen wir, wie viele Rezensionen, positive Berichte und Empfehlungen erkauft und erlogen werden. Wer sich allerdings so "unbeholfen" anstellt, wie ein gewisser Herr Helmut Hoffer von Ankershoffen, seines Zeichens (Ex-?)Geschäftsführer der "WeTab GmbH", dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Die Story, die dahinter steckt, sollte inzwischen bekannt sein und schaffte es sogar in die Bild. Interessanter ist die Geschichte, die sich nach der Aufdeckung in den so genannten "Online"-Medien abspielte. Ob Richard Gutjahr nun der war, dem der ganze Schwindel aufgefallen ist oder nur der erste, der darüber (gut recherchiert) gebloggt hat, ist in dem Zusammenhang wirklich völlig unerheblich – er hat die Geschichte ins Rollen gebracht. Aber warum tun sich die Online-Ausgaben der Papier-Medien so schwer, auf Richards Blogpost zu verlinken? Media Digital hat eine kleine "Online-Presseschau mit elf Beispielen und vier Schulnoten" zusammengestellt, sechs Mal hieß es "mangelhaft".

Morgenwelt90_Facebook_PlacesOrtung: Es ist endlich so weit: Facebook Places kann nun auch ohne VPN-Umgehung in Deutschland genutzt werden. Es wird zur Zeit ein bisschen damit herum gespielt, aber die große Euphorie ist ausgeblieben. Location-Based-Services sind ja nun in der Szene auch nichts Besonderes mehr. Eines ist wohl aber Fakt: Es wird die ganze Geschichte weiter in den Mainstream tragen. Aber wer einen gut gepflegten Freundeskreis bei Foursquare und Gowalla hat, wird feststellen, dass dort deutlich mehr Aktivität herrscht, als bei Places. Interessant wird der Dienst sicher, wenn sich die Orte mit den Facebook-Seiten der Unternehmen verbinden und es zum Beispiel möglich wäre, Nachrichten nur an diejenigen zu schicken, die sich gerade dort aufhalten. Für alle Foursquare-, Gowalla-, Brightkite- (usw.) Nutzer ist es wieder nur ein Dienst mehr, der ein Einchecken verlangt. Die große Frage wird sein, welcher Dienst sich am Ende durchsetzen wird, ob das wirklich "Places" sein muss? Mehr dazu unter anderem auch bei Facebook selbst, Basic Thinking oder facebookmarketing.de. Bizarre News am Rande: Das britische Militär befürchtet übrigens Lebensgefahr durch Places.

Hunde-Tweet: Cat-Content zieht im Social Web irgendwie immer. Jetzt wollen die Hunde nachziehen. Und zwar nicht mit Fotos oder Videos, sondern mit eigenen Tweets. Möglich macht es Spielzeughersteller Mattel mit dem "Puppy Tweet". Ein kleines Gerät, das am Halsband des Hundes befestigt wird, twittert für den Vierbeiner, wie denn das Essen schmeckt oder warum gebellt wird. Per Wifi wird das ganze an einen USB-Stick übermittelt und schon stehts im Netz. Zu kaufen gibt's das Gadget bei Amazon – entweder in babyblau oder rosa. Wer's braucht…

Narzissten-Spielwiese: "Junge Menschen mit narzisstischen Persönlichkeitsmerkmalen nutzen Facebook zum Zweck der Eigenwerbung", zu dem Schluss kommt eine Studie unter 100 College-Studenten, von der das Wortgefecht berichtet. Narzissmus wäre demnach "ein durchdringendes Muster an Grandiosität, das Bedürfnis nach Bewunderung sowie übertriebenes Gefühl der eigenen Wichtigkeit". Der Nutzer könne selbst kontrollieren, "wie er sich anderen gegenüber präsentiert und von ihnen wahrgenommen wird". Ein weiterer Schluss der Studie: Narzissten würden mehr Zeit in dem Social Network verbringen als andere. Wie oft sind Sie eigentlich täglich bei Facebook? ;)

Morgenwelt90_Twittertrends_S21S21: Ein zur Zeit vorherrschendes Thema bei Twitter ist wohl #s21. Da soll ein neuer Bahnhof gebaut werden, die Gegner formieren sich und demonstrieren dagegen, die Polizei schreitet dagegen ein. Die Polizei und deren "Chef" – der Ministerpräsident des Landes – sind der Meinung, dass alles "verhältnismäßig" und rechtens vonstatten ging. Die Bilder, die über YouTube, Twitter etc. herum gingen, zeigten ein anderes Bild und mobilisierten gleich noch mehr Menschen. Viele der "neuen" Demonstranten hatten sich mit dem Thema "Stuttgart 21" vorher sicher nicht beschäftigt und wurden erst durch die Eskalation und die anschließenden PR-Verfehlungen aufmerksam. Wie schnell das in Zeiten von Twitter geht, zeigen die deutschen Twitter Trends. Mehr dazu auch bei Carta.

Schlechter Scherz: Es gibt Menschen, denen ist vom Microbloggen wohl lieber abzuraten. Jüngstes Beispiel: MDR-Intendant Udo Reiter. "Einheitstag 2030: Bundespräsident Mohammed Mustafa ruft die Muslime auf, die Rechte der Deutschen Minderheit zu wahren", war von ihm zu lesen. Ein Zitat aus einer Zeitung, wie er eine Stunde später nachschob – da war es allerdings schon passiert. Ein Sturm der Entrüstung prasselte (verständlicher Weise) sofort auf @mdrreiter ein. Über 100 Re-Tweets bekam das Zitat, das als solches nicht gekennzeichnet war. Dabei sollte doch ein Journalist am Besten wissen, wie man richtig zitiert und das Witze von Lesern meist nicht so verstanden werden, wie sie gemeint sind.

Morgenwelt90_Twitter_MDRreiter

Crowdsourcing: Greenpeace hat ein “Key Visual“ für seine Energiekampagne gefunden, in dem sie auf die Macht der Kreativen gesetzt haben und zu einem Logo-Wettbewerb ausgerufen hatten. Wir gratulieren zum wirklich gelungenen Motiv! Eine kleine Auswahl mit ein paar der Favoriten gibt es übrigens im Greenpeace-Blog

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Frankfurter Buchmesse: Auf der aktuell stattfindenden Buchmesse werden Möglichkeiten in Social Media für Autoren, Verlage udn Leser vorgestellt. Etwa ein soziales Netzwerk für Wissenschaftler, das per Geotagging verbindet. Aktuelle Eindrücke von der Buchmesse bietet das neu aufgesetzte Blog der Frankfurter Buchmesse oder auch Facebook oder Twitter.

Danke: "Kann man zu oft danke sagen?", fragt Klaus-Dieter Knoll auf seinem Blog und bezieht sich dabei auf eine kleine Twitter-Diskussion die letzte Woche zwischen Anika und Johannes Lenz ausgebrochen war. Anika findet es übertrieben, dass sich manche Twitterati für jeden Re-Tweet extra bedanken, sieht darin auch ein verstecktes Eigenlob a la: "Schaut her, ich hab so einen tollen Tweet geschrieben, dass er sogar Re-Tweets bekommt!". Für Johannes Lenz sind Re-Tweets keine Selbstverständlichkeit und deswegen finde er ein Danke dafür auch angebracht. Übertrieben oder nicht? Ich finde es nicht nötig, genauso wie ich es für selbstverständlich halte, gute Inhalte auch zu re-tweeten.

Unser Tweet der Woche:

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Jochen Hencke (@schneeengel)

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Bildquelle: Shutterstock, Twitter Trends