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Transparenz-Interview 10: Kai Hattendorf von der Messe Frankfurt

Der Bereichsleiter für Unternehmenskommunikation und Prokurist der Messe Frankfurt, Kai Hattendorf, ist aktiver Social Media Nutzer. Auch die Messe Frankfurt nutzt Kanäle, die den Dialog zu ihren Stakeholdern aktiv unterstützen. Neben Unternehmensprofilen in Xing, Facebook und Twitter wird die Kontaktplattform Productpilot angeboten. Diese bietet Ausstellern und Einkäufer die Möglichkeit sich auch online zu vernetzen und einen zusätzlichen Marketingkanal zu nutzen.

1. Was verbindest Du mit dem Wort Unternehmenstransparenz?

Die Einstellung eines Unternehmens dazu, wie es mit Informationen umgeht – nach innen gegenüber den Kolleginnen und Kollegen wie nach außen gegenüber den verschiedenen Interessengruppen dort.


2. Welche Erfahrungen hat die Messe Frankfurt damit bisher gemacht?

Wir kommunizieren möglichst umfassend nach innen wie nach außen, und wir machen damit gute Erfahrungen. Indem wir Informationen teilen, schaffen wir gerade intern immer wieder neue Potenziale, weil Kolleginnen und Kollegen das immer wieder auch als Anregung nehmen, sich und ihre Ideen einzubringen.


3. Jeff Jarvis und so mancher andere fordert sogar, dass Unternehmen sich auf die totale Transparenz einlassen sollten. Davor haben viele Unternehmen und Deutsche Angst. Wie transparent sollten Geschäftsprozesse tatsächlich sein?

Ich vergleiche das für mich mit der Art und Weise, wie wir alle, jeder für sich, Informationen mit unserer Umgebung teilen. Da gibt es eine Privatsphäre, die teile ich mit mehr Menschen als meine Intimsphäre. Und da gibt es auch Dinge, die gehen nun wirklich niemanden außer mir und meiner Familie etwas an – auch wenn Jeff Jarvis das anders sieht. Ähnlich ist es auch mit und in Unternehmen. Alles immer komplett transparent zu machen halte ich für ähnlich übertrieben wie alles für sich zu behalten. Was genau das richtige Maß ist, das wird sich aber von Unternehmen zu Unternehmen immer etwas unterscheiden.

KH 2010
 


4. Inwiefern profitieren Unternehmen von der neuen Transparenz im Internet?

Wer den Gesprächen und Informationen im Netz zeitnah folgt, der hat nicht nur einen Informationsvorsprung – der alleine ist in der Wirtschaft oft schon viel wert. Er ist auch – im wahrsten Sinne des Wortes – dichter dran an seiner Community, und das ist natürlich gerade für eine Messegesellschaft spannend. Wir leben ja davon, dass wir ganzen Industrien oder Communities zu einzelnen Themen einen zentralen Ort anbieten, an dem sie sich treffen können – um zu handeln, aber auch, um sich auszutauschen. Dieses sind Messen und Kongresse, aber auch digitale Plattformen.


5. Was tut die Messe Frankfurt für ihre Online-Reputation?

Wir tun unser bestes, um im Netz ernsthaft und authentisch unterwegs zu sein, indem wir die Kanäle der Online-Kommunikation immer selbstverständlicher in unseren Alltag einbauen. Wenn dadurch Reputation entsteht, freut es mich, denn das zeigt uns dann, dass wir als
Gesprächspartner wie als Informationsquelle und Anlaufstelle online wahrgenommen werden. Diese Reputation aber entsteht nicht von heute auf morgen, die müssen wir uns wie jeder im Netz erarbeiten. Immerhin: Wir haben früh damit angefangen und stehen nun für unsere Branche recht gut da.


6. Welche Bedeutung hat die Persönlichkeit eines Mitarbeiters oder Chefs für
die Glaubwürdigkeit eines Unternehmens?

Ich bin überzeugt, dass Menschen sich vor allem in Unternehmen engagieren, mit denen sie gewisse Werte und Leitbilder teilen. Wir haben beispielsweise viele kommunikationsstarke Kolleginnnen und Kollegen – typisch für eine Branche, in der es um Marktplätze und Kommunikation geht. Da treffen sich die einzelnen Persönlichkeiten und das Unternehmensbild – und je umfassender uns das als Unternehmen gelingt, umso glaubwürdiger kann jede und jeder auch als Teil des Unternehmens wahrgenommen werden.


7. Wie baut die Messe Frankfurt Vertrauen im Umgang mit Influencern auf? Wie nutzt Du dazu Social Media? (Social Media Relations: Blogger, Twitterer, etc.)

Indem wir Dialoge führen, Informationen über unsere Messen und uns als Unternehmen teilen. Dabei bleibt der virtuelle Kontakt über das Netz aber immer beschränkt. Darum steht dann irgendwann der persönliche Kontakt im Mittelpunkt – häufig zu einer unserer Messen. So wird dann aus dem virtuellen Web 2.0 ein reales "Web 5.0" – ein Treffen, bei dem alle fünf menschlichen Sinne eingesetzt sind. Spätestens da scheitert jeder Ansatz, dem das Authentische fehlt.


Vielen Dank.

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Falls Sie ebenfalls Interesse an einem Interview zum Thema Glaubwürdigkeit und Unternehmenstransparenz oder Ihrer Social Media Strategie haben, würde ich mich über Ihre Rückmeldung freuen. 

Gerne auch via Xing oder Facebook.

Klaus Eck